Banner Historische Rebsorten Facebook

1875 konnten Winzer noch für ein paar Kreuzer in den Rebschulen von Adolf Blankenberg im Kaiserstuhl aus einem Sortiment von 400 Rebsorten ihre Reben kaufen. In der Literatur zwischen 1766 – 1855 sind 750 eigenständige Sorten für den deutschsprachigen Raum in Zentraleuropa erwähnt. Wenn man die nicht identifizierbaren Sortennennungen abzieht, bleiben rund 580 fassbare Sorten, die nördlich der Alpen in gemischten Sätzen bis zur Reblauskrise als Kelter- oder Tafeltrauben im Anbau waren. Davon dürften rund 500 Sorten überlebt haben.

Nach der Veröffentlichung der Reichssortenliste 1929 durfte die große Mehrheit der „ausländischen und Bastardsorten“ nicht mehr vermehrt oder gepflanzt werden. Gleichzeitig wurden große Produktionsflächen wegen der Reblaus oder der Präsenz verbotener Hybridsorten gerodet und durch Monokulturen mit nur 15, vom Gesetz zur Vermehrung erlaubten Sorten ersetzt. Nach dem Krieg gab es nur noch 12 klassifizierte Traditionssorten!
Insbesondere wegen der staatlich verordneten Verengung des Sortenspektrums auf weniger als 3% der einstigen Sortenvielfalt ist die große Mehrheit der alten Sorten in nur 75 Jahren aus dem Bewusstsein der Winzer verschwunden!
In einem Suchzeitraum zwischen 2007 – 2009 wurden 243 historische und über 100 ausgestorbene Rebsorten wieder entdeckt.

Aus Verantwortung für das weinbaukulturelle Erbe haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die alten Sorten und die Klonenvielfalt in züchterische Eigeninitiative in einem privaten Rebsortenarchiv zu erhalten und unter „Historische Rebsorten“ zu verbreiten.

Hätten wir die alten Sorten in den letzten alten Weinbergen nicht auf eigene Kosten eingesammelt, viele der wieder entdeckten Sorten wären bereits wieder ausgestorben. Ohne unsere Privatinitiative gäbe es diese einzigartige Sammlung von zentraleuropäischen Rebsorten schlichtweg nicht. Unbestreitbar sind viele der wieder entdeckten Sorten archäologische Kostbarkeiten und echte Museumsstücke, die weit bis in die Antike zurückreichen. Viele haben nicht nur die Kleine Eiszeit, sondern auch die mittelalterlichen Wärmextreme überdauert. Die Sorten im Rheintal und am Bodensee gehen teils noch auf die Räter zurück und sind seit 2500 Jahren in der Ostschweiz etabliert. Die Kernsorten der Daker und Mährer wurden seit 6800 Jahren in den Südkarpaten angebaut. Diese Sorten sind unser weinbauhistorisches Erbe, ein anderes haben wir nicht! Je mehr Winzer ein Herz für vergessene Sorten entwickeln, desto unwahrscheinlicher wird es, dass das erst jüngst wieder entdeckte Kulturerbe erneut ausstirbt.

PDF icon